Samstag, 22. November 2008

Unter Null - oder: der dritte Punkt

Als ich Freitag mittags aus dem Flugzeug ins Freie trete werde ich genauso begrüßt, wie ich es mir erwartet habe: eiskalte Luft, vereinzelte Schneestellen am Flugfeld und ein gestreuter Weg für die Passagiere. Der Winter, welcher in großen Teilen Europas bis vor kurzem noch auf sich warten ließ, war hier bereits eingezogen.

Ohne wirklich etwas geschlafen zu haben prominierte ich einige Stunden darauf bereits wieder durch die Straßen Stockholms. Es lässt nicht lange auf sich warten und ein wenig meines globalenÜberblickes ist zurückgekehrt. Die Minusgrade und Müdigkeit machen etwaige Erforschungen aber nicht gerade zu einem Zuckerlecken, weswegen ich mich des Öfteren am (Bus-)Bahnhof einfinde und dort etwas döse.

Abends besuche ich dann zum ersten Mal den "großen" Debaser, Fassungsvermögen 1800 Leute. Der Club ist eingeteilt in den üblichen WTF-Bereich und Bühnenbereich. Im WTF-Bereich läuft Jazz und Mittzwanziger und wesentlich jüngere, welche gerne Mittzwanziger wären, sitzen vertieft hinter ihren Weinkarten. Im Bühnenbereich ein erwartetes Bild: Hipster-Indie-Chicks sitztend & tanzend vor der Bühnenabsperrung, auf
MGMT wartend. Und eigentlich habe ich nichts gegen (diese) Menschen aber bei A Place to Bury Strangers waren die größtenteils schon so besoffen, dass es richtig anstrengend wurde die Band zu genießen. Etwas shoegaziger als auf Platte, mit grandiosem Noise+Distortion+Layer-über-Layer-Finish, ab 10 Minuten vor Schluss. Überflüssige Anmerkung an dieser Stelle: Ich genoss es sehr.

Aus Groll und Müdigkeit und nicht zuletzt um meinen Couchsurfer-Host nicht warten zu lassen, brach ich noch vor MGMT auf1, irgendwo weit draußen im Nordwesten von Stockholm aus der Tunnelbahn (bzw. U-Bahn) gestiegen und nach kurzer Diskussion mit meinem neuen Couchsurfing-Host endlich ins Bett (ergo, auf die Couch). Dieser war mir auch schlagartig sympathisch, nachdem er wissen wollte, wie A Place to Bury Strangers wohl klängen und ich meinte, es wäre "basically rock music with a lot of distortion" und er mir die unerwartete Gegenfrage "Like Jesus and Mary Chain?" eröffnete.

Da ich ein U-Bahn Ticket besitze, welches bis Dienstag seine Gültigkeit behält und mich 20 Euro gekostet hat2, war ich heute schon einiges mit der U-Bahn unterwegs. Aber eben auch zu Fuß, wo die seltsamen Blicke, die ich zu ernten gewillt sein muss, noch einmal zugenommen haben. Es ist nämlich nicht mehr nur kalt, die Stadt hatte sich über Nacht in eine Schneelandschaft verwandelt und in Folge dessen auch zu einer überraschenden Hebung meiner Stimmlage geführt.

Im übrigen, sollte ich nichts mehr von mir hören lassen, soll der Fingerzeig der Schuld auf einen der vielen Stockholmer Abhänge, welche zwar nicht zum Rodeln gedacht wurden, aber vermutlich spätestens morgen von mir dazu missbraucht werden, treffen. Bis es soweit ist verbringe ich meine Stunden oder Tage im English Shop, wo ich Mountain Dew oder geschmacksinteressantes Ginger Bier erstehe, oder in der
Stadtbibliothek, welche eine der beindruckendsten Büchereien stellt, die ich je betreten habe.

Soviel zum Status Quo.
Eine kleine Anmerkung noch: die liebenswerte Nasch wird ab sofort meine Beiträge hier nicht nur korrekturlesen, sondern auch direkt korrigieren, da mir dazu die Zeit und der fixe Internetzugang fehlt. Lieben herzlichen Dank Nasch, dass du mein Geschwafel der Welt da draußen lesbar machst.


1) es fiel mir nicht schwer
2) Was hier teuer erscheint muss in Relation gesehen werden. Eine einfache Fahrt kostet beispielsweise 4 Euro. Bitchin'!

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