Donnerstag, 20. November 2008

Bel Air1, Teil 2

Nimmt man eine luxemburgische Zeitung zur Hand, begegnet man mit einer schier unglaublichen Wahrscheinlichkeit zumindest einem Artikel, den man lesen kann. Nahezu unabhängig von der eigenen Nationalität. Ein mögliches Szenario: zwei französischsprachige Artikel gefolgt von drei deutschen Artikeln. Dann selbstverständlich ein oder zwei Artikel in luxemburgisch, eventuell gefolgt von einem portugiesischen welchen. Noch ein belgischer Artikel und die hypothetische (zugeben, sehr kurz geratene) Zeitung ist vollständig. Das ist Luxemburg.

In dem Land, das sich (geographisch) zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien gepresst findet, wissen selbst die Einheimischen zu keiner Zeit, in welcher Sprache sie nun angesprochen werden, oder ansprechen sollen, wenn sie im Begriff sind, einen (ihnen neuen) Kiosk, eine Boutique oder ein Bistro zu betreten. Franz
ösisch ist die wahrscheinlichste Variante für Alltagssituationen. Luxemburgisch ist wiederum die vorrangige Sprache in den Medien. (Fernsehen und Radio wohlgemerkt, bei Printmedien sieht es, wie oben demonstriert, schon wieder anders aus. Bücher liebäugeln zum Beispiel stark mit dem Deutschen.) Und portugiesisch sprechen die "Ausländer"2.
Mein Favorit ist nat
ürlich das Luxemburgisch. Eine Mischung aus holländisch, französisch und saarländisch, jedenfalls wenn man meinen Ohren Glauben schenken darf. Ich schwelgte jedes Mal aufs Neue dahin wenn mir die Sprache zu Ohr kam.

Genossen hab ich ferner die Stadt an sich. Steile Felsw
ände, imposante Brücken, alte Burgen und Ruinen, Stadt- und Burgmauern, kurzum: ein mittelalterlicher Spielplatz für den Herrn Gogo. Besonders in Grund fiel es mir heute schwer, stringent einer Richtung zu folgen, begeistert wie ein kleines Kind von dem Torbogen und der Brücke und dem Abgrund bin ich stundenlang kreuz und quer gelaufen.

Und nun sitz ich hier und tippe ein wenig w
ährend ich meinen Alpro Soya Erdbeer zuzele3, hinter mir Cartoon Network läuft und die Uhrzeit sich langsam aber sicher auf 4 Uhr zubewegt. Da mache ich mich nämlich auf den Weg zum Busbahnhof. Punkt 3 ruft.


1) Belair ist der Stadtteil in dem meine Couch steht. Mysterium gelöst.
2) In einem Land mit fast 50% Ausländer-Anteil bzw. an die zwei Drittel in der Stadt Luxemburg selbst, werde ich mich hüten zwischen Ausländern und Inländern zu differenzieren.
3) zum z(a)wuzeln, das in hochdeutschene Sätze zu verwenden. (Es gibt halt auch keine befriedigende hochdeutsche Entsprechung.)

Keine Kommentare: