Freitag, 28. November 2008

Airport Control - Nachtrag Danzig1, Donnerstag Abend

Ob es der monströse blaue Fleck an meiner linken Hand vom Rodeln in Stockholm, mein verdutzter Gesichtsausdruck beim Erblicken eines "All White Shuttle Service"s in Liverpool oder eben die Flughafenkontrolle in Danzig ist - Kuriositäten habe ich aus jedem Land mitgenommen. Da ich mich aber bei besagter Kontrolle nicht auf die Auflistung oder gar, wie mit anderen Situationen, auf das durch den Rost fallen lassen beschränken will, hier eine kurze Schilderung des Erlebnisses.

Da ich nicht wusste, ob mir Lockerheit oder Strenge bei der Flughafenkontrolle passieren werde, beschloss ich, mein Handy samt Holster im Handgepäck zu verstauen. Sobald ich die Sicherheitsleute erblickte, meinte ich richtig gehandelt zu haben. Mein erster Gedanke: "Was zum Teufel?...Armeeklamotten?!" 7 oder 8 Mitarbeiter für zwei Kontrollstellen, allesamt in Armeekluft. Die Leute, die vor mir durch das Röntgen der Fluggastkontrolle gingen, wurden trotz ausbleibenden Aufschreien des Gerätes zusätzlich mit den Händen befühlt und ich malte mir ein ähnliches Szenario für meine Wenigkeit aus.

Als ich Rucksack und Tascheninhalt im Körbchen einem der Sicherheitsleute überreichte, meinte dieser, nachdem ich seine Fragen nach Laptop oder Flüssigkeiten verneinte, ob sich weitere Elektronik im Rucksack befände. "A Camera", antwortete ich. "Small or big one?" - "Big one." - "You better show me then." - "I've got a mobile phone as well." - "They're okay." "I don't know, it's a rather big one as well, like the camera" meinte ich und und kramte das Handy hervor. Der Sicherheitsmann beginnt zu lachen. Er winkt seinen Kollegen
zu und spricht mit erhobener Stimme: "Hey check it out! It's a mobile phone!" Binnen Sekunden stürmten alle Sicherheitsleute herbei, manche lachend, manche staunend, als würde es sich hierbei um den heiligen Gral handeln. Das Telefon wird herumgreicht, ein brillentragender, etwas rundlicher Sicherheitsmann meint, es sei dieses und dieses Modell (Nerd...), ich verneine jedoch. Ein wieder anderer Kollege meint, ich hätte da ja fast eine Waffe und die Truppe beginnt erneut zu lachen.

Ich durchschreite den Körperscanner und breite meine Arme aus, der Sicherheitsangestelle winkt jedoch ab und gesellt sich wieder zu seinen Kollegen. Erst jetzt bemerke ich, dass Kontrollposten Nummer 2 wohl schon eine volle Minute unbesetzt ist und begebe mich zu meinem Hab und Gut. Der Nerd-Beamte fragt, ob er es öffnen dürfe (bitte auf der Zunge zergehen lassen: Leute, die dafür angestellt worden sind überall reinzusehen, egal was man davon hält, fragen um meine Erlaubnis), ich nicke und er nimmt den Akku ab und sucht die Modellnummer. "Maybe it's a prototype?" meint einer - Gelächter.

Ich lasse ihnen ihr Spielzeug und beginne meine Sachen einzusammeln. Erst jetzt bemerkt der Sicherheitsmann, der gerade mein Handy hält, den Holster neben dem Rucksack liegen, nimmt ihn stutzig in die Hand und bevor er überhaupt eine Frage stellen kann meine ich: "For the mobile phone. It wouldn't fit into my pockets". "I told you, you had a weapon there", meint dieser schmunzelnd, dreht sich zu seinen Kollegen und meint "Hey guys, look" und mimt mit einer Hand einen Schulterholster wie meinen und nimmt mit einer raschen Bewegung der anderen Hand das Handy hervor und meint: "Hello?" Schallendes Gelächter. Ich sage "Yeah, I should have done that to fool you guys." und sie lachen wieder. Ich bekomme mein Spielzeug zurück und ich packe meine restlichen Sachen, während sie die Arbeit wieder aufnehmen.

So - und nicht anders - sollten Sicherheitskontrollen ablaufen.


1) Ich bin ja eher Anhänger der polnischen Version, Gdansk, aber um der deutschsprachigen Linie treu zu bleiben bin ich gewillt, es Danzig zu nennen.

2 Kommentare:

Steven D. Quaid hat gesagt…

Ich beglückwünsche den Autor dieses Reisetagebuchs zu seinen literarischen Ergüssen, und ich spreche von Ergüssen in einem sehr bildlichen Kontext, wenn nämlich etwas hart aufschlägt, anschwillt, aufplatzt und anschließend ausläuft. Überraschend, schmerzhaft, reizend und zu Zeiten etwas ekelhaft, vermitteln Gogos Erzählungen doch immerfort starken Lebensmut, fungieren gar als Mahnmale vor übertriebener Affinität zu körperlichem und geistigem Stillstand. Und wie schon der Reisende selbst seine durch selbstauferlegten, strikten Dresscode ungeschützten Knie Welt und Witterung aussetzt, so entfacht er auch in seinen Lesern das Bedürfnis nach abenteuerlichen Streifzügen durch ein nerd- und singlefreundliches Europa, sprachlicher sowie geschlechtsspezifischer Barrieren ungeachtet. Gogos Ausführungen sind ein Schlag ins Gesicht verklemmter Hochliteraten, und solcher, die es gerne wären, verbaler Schorf in der stetig (an Bedeutungslosigkeit) wachsenden Blogosphäre, individuell, wie kein Ekzem dem anderen gleicht, und septisch genug, dass man es nur schwer aus dem Bewusstsein verbannen kann. Letzteres gilt übrigens auch für einen gewissen Softdrink-Brand, der Dank Gogos mannigfaltiger Erwähnung wohl mit verstärkten Absatzzahlen im folgenden Geschäftsquartal rechnen darf. Ich erhebe mein Glas Dew auf Gogo: Freund, Literatenkollege, beherzter Nerd, Geschäftsmann und Beobachter, der es vorzieht, selbst nicht beobachtet zu werden. Skål!

Gogo hat gesagt…

ST.D. - ich liebe dich, echt jetzt.
Deine Lobpreisungen übersteigen meinen Ausführungen um ein x-faches und verursachten bei mir eine Gesichtsröte, die selbst Stunden nach dem Lesen deines Kommentars noch nicht vollständig verblassen konnte. Ich fühle mich in höchsten Maße geehrt und werde weiterhin keine Bestrebung unterlassen, dass hier dargebrachte Rezession meiner Künste vielleicht eines Tages den Rahmen der Schmeichelei sprengt und zur Wahrheit aufsteigen.
Bis dahin verbleibe ich demütig und dankbar in deinem Schatten, den Schatten einer meiner besten Lehrmeister, Inspirationsquellen und Freunde. You've made my day.