Montag, 24. November 2008

Gogo's magnificent guide to marginally sucessful dating - oder: Zielgerichtete Erfolgsminderung im Umgang mit dem anderen Geschlecht

(Wort der Warnung: längerer Eintrag, Verlinkungen folgen ein ander Mal. Internet ist ein rares und kostenspieliges Gut geworden.)

Liebe Leser.

Tage wie dieser erwecken in mir ein unbändiges Pflichtbewusstsein, Erlebtes in einfach konsumierbaren Weisheiten meinen Gefährten zu übermitteln, auf dass sie gegen die Strenge des Alltags gewappnet sind und Herausforderungen höhnisch ins Gesicht lachen können. Ein beachtenswerter Teil dieses Sammelsuriums an Erfahrungen und lehrreichen Situationen betrifft die Dating-Welt. Darum, und schliesslich auch, da dies ja ohnehin ein sinnlicher Reiseblog ist, folgt nun ein kleiner Ratgeber in Sozialkompetenzen - die Dos and Donts im Kennenlernen eines Vertreters des anderen Geschlechts. Ich hoffe, dieser Eintrag wird Licht auf einige ungeklärte Fragen und Mysterien werfen - um den gewohnten Stil nicht zu vernachlässigen soll dies mit dem weiteren Tagesgeschehen abgerundet werden.

Da die Stockholmer U-Bahn mehr Unterhaltung in sich birgt als man es ihr augenblicklich zutrauen würde, fand sich unser tapferer Held einmal mehr auf dieser ein, um sich die Zeit mit U-Bahn-Stationskunst (Die Idee ist weder neu noch originell, in Stockholm jedoch größtenteils durchaus gut umgesetzt.) und bayrischen Mädchen zu vertreiben. Zugegeben, zweiteres war Akt leicht boshafter Natur, diese zufälligen Geschöpfe auf englisch anzusprechen, ob sie denn deutsch sprechen würden. Man verstehe nämlich etwas deutsch und was werte Damen hier von sich geben klänge doch anders, nahezu ulkig. Da aber nun mal jedoch meistens ich derjenige bin, über dessen Dialekt man witzelt, war es durchaus eine willkommene Abwechslung, selber mal die Kleidung des Spötters anstatt des Verspotteten tragen zu dürfen. Dass ich mich dabei mehr oder weniger indirekt über meinen eigenen Dialekt lustig machte, störte mich bei aller Ironie nicht im Geringsten.

Kurz darauf verließ ich die U-Bahn, um mich mit einer Couchsurferin zu treffen, deren last.fm Profil sich beinahe wie eine Wunschliste von mir to all the ladies liest. Da empfiehlt es sich unabhängig von Attraktion

1) die Gunst der Dame für sich zu gewinnen

Man könnte dies mit Briefen, Getränken, Komplimenten und Geschenken versuchen, will man jedoch auch erfolgreich sein und nicht einfach nur seine Zeit verschwenden, empfehle sich, einer Jungmutter auf einem naheliegenden Rodelberg Geld anzubieten, wenn diese einem ihren Bob borgen und ein Rennen gegen ihren fünfjährigen Sohn fahren lassen würde. Diese Herangehensweise demonstriert zum einen Zugang zu finanziellen Mitteln und zum anderen Männlichkeit, sich jeder Herausforderung zu stellen, auch wenn sie noch so aussichtslos erscheine. Die Mutter verzichtete auf das Geld und ich verlor das Rennen.

2) Die Brücke, dass sie dich je als den Vater ihrer Kinder sehen könnte hast du dir innerhalb von 10 Minuten abgebrannt. Plan B.

Einmal gegen einen Fünfjährigen verloren ist die Chance des erfolgreichen Buhlens und Balzens meistens vorüber. Es wäre jedoch unhöflich, jetzt einfach zu gehen - eine Benimmregel, die man sich deshalb nun zum besten Freund macht und Unternehmungen vorschlägt, nach denen einem gerade der Kragen steht, wohl wissentlich, dass das Gegenüber nicht gehen kann und geduldig alles über sich ergehen lassen wird.

Ich entschied mich also zur Bewältigung der jüngsten Schmach einen Hang neben der Stadtbibliothek auf einem Plastiksack hinunter zu rodeln. Ein tollkühnes Gefälle mit Geländer und Miniaturteich am Ende der Piste sprachen dafür. Gesagt getan schaffte ich immerhin zwei Drittel der Strecke mit Plastiksack, das Restdrittel erbremste ich gerade noch durch Zuhilfenahme meiner Hände (die Beine bremsten ja schon länger), welche es mir mit Erfrierungserscheinungen dankten. Besonders drei Finger der linken Hand zeigten wenig Interesse an Erwärmung. Meine Begleitung schlug auch meinen Vorschlag, sie könnte meine Finger warmlutschen aus, doch erblickte ich da ohnehin schon ein überdimensionales Teelicht - eine Metallschale mit windbeständiger Flamme.

Das Darüberhalten der Hand zeigte wenig Besserungsaussichten, weswegen ich nun Versuche anstellte, das Ding hochzuheben. Meiner rechten Hand war das entschieden zu heiß, die linke Hand hob es, ein lauwarmes Gefühl verspürend, ohne Probleme. Und ich musste lachen. Ich trug das Feuer eine Weile lang herum und bildete mir ein, neben der Verrussungen schon langsam auch wieder Gefühl in meiner Hand zu bekommen. Belustigt kommentierte ich die Widerstandtsfähigkeit der Flamme mit "Look... now there's a light that never goes out", woraufhin, unnötig zu erwähnen, die Flamme erlosch gerade als diese Worte meine Lippen verließen.

Nachdem nach einem verlorenen Rennen, dem Erfrieren und Verbrennen seiner Hand nun wirklich nicht mehr viel Chance auf Begeisterungserweckung bestand, hieß es tiefer in die Trickkiste greifen. Eifrige Schüler beginnen spätestens jetzt, sich Notizen zu machen.

3) Überzeuge mit fundiertem Wissen

Behaupte felsenfest, die Pest sei 1338 über Europa gezogen, ohne augenblicklich den anglophonen Ausdruck dieser zu wissen.

Verblüffe Sie mit Fakten über die Stadt, in welcher sie gerade verweile, z.B. "Stockholm is like the sex capitol of Europe, if you leave out Amsterdam for a Minute". Ein Stockholmer Paar, welches in der U-Bahn neben uns Platz genommen hatte, reagierte auf diese Aussage mit großzügigem Lachen (sie) sowie Kopfschütteln (er) und verließ die U-Bahn.

4) Prahle mit deinen Fähigkeiten

Trinke aus einer Dose, die nicht vollkommen geöffnet ist. Solltest du dieses Wissen teilen wollen, gehe sicher, den Zeitpunkt dies zu tun weise zu wählen. "You have to put your lips around it, put pressure on and suck at the same time" zu sagen, während sie trinkt wird ihr ein Verschlucken einbringen und dir ein "That sounded a little gay" als Antwort.

Alternativ dazu: Gehe urbanen Mythen auf den Grund, frage etwa eine 7Eleven Mitarbeiterin: "I've heared this urban myth that the smell in your stores comes from a spray and not the bakery itself. Is that true?" (Kurze Pause.) - "EXCUSE ME?!"

5) Wenn alle Stricke reißen (und das werden sie) lass dein Gesangstalent für dich sprechen

Gehe dann aber auch auf Nummer sicher, dass du den korrekten Wortlauf des vorgebrachten Liedes kennst. Zurückblickend bin ich nämlich etwas stutzig, ob The Who wirklich "People try to put me down, talking 'bout my Degeneration" sangen.

Nach sechs Stunden hatte sie es überstanden und ich fuhr nach Hause, um ein Gulasch zu zaubern, welches zwar nicht nach Gulasch schmeckte, aber durchaus einen sympathischen Touch besaß.

Und somit wäre auch Stockholm als drittes Kapitel meiner Odysee im Groben erzählt.

Ich geh' nun wieder Panik in den Straßen Liverpools verbreiten.

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