Von den etwa fünfzehn europäischen Hauptstädten, die mich bislang als Kurzurlauber aufgenommen haben, gelingt es wohl Prag, einer meiner Stockerlplatz-Hauptstädte, am besten, meinen Erwartungen jedes mal aufs
Neue gerecht zu werden. Erwartungen, die wohlgemerkt keine großen Hürden darstellen sollten, besteht, nach mittlerweile vier Pragbesuchen, mein eigentliches Interesse doch nur mehr darin, alte geliebte Orte wieder zu sehen und durch die Stadt zu schlendern.
So war es dann auch. Und wie schon letztes Jahr wurde der Städtebummel von einem Konzertbesuch im 007, wo Austin Lucas mit Mike Hale und Josh Small gastierte, abgerundet. Und wie schon letztes Jahr waren es die mühsamen Autofahrten wert, denn diese scheinen im ständig steigenden Alter doch etwas an den einst so unermüdlichen, jugendlichen Kräften zu rütteln. Das steigende Alter bringt zudem auch mehrere Zwischenstopps auf der Strecke mit sich, aber nicht etwa um in tschechischen Wäldern Luft zu holen und Wasser zu lassen, sondern, aufgrund altersunabhängigen geistigen Verfalls, an jedem größeren Supermarkt stehen zu bleiben, in stetiger Hoffnung "sie hätten jetzt vielleicht Moutain Dew".
Nach herben, doch absehbaren, Enttäuschungen und ein paar Dutzend Rohliks1 findet sich der Autor mit seinen unerschrockenen Mitfahrern, Raffi und Karin2, in der Malá Strana, der tschechischen Hauptstadt wieder. Von dort zieht es mich wie so oft auf den Petřín (je nach eigenen kulturellen Interessen eventuell entweder bekannt durch dieses oder jenes) und im Anschluss zum erwähnten Konzert.
Danach ins Strahov Stadium. Immer noch baufällig, immer noch ausschließlich als Trainingsplatz des Sparta Praha in Verwendung. So dachte ich zumindest. Die Recherche ergab, dass dort seit den 90ern
größere Rockkonzerte stattfinden und sich dann bis zu 150.000 Musikfreunde im baufälligen Stadium einfinden. Und da Prag bei Nacht nie ein Fehler ist, ging man im Anschluss in die Innenstadt, wo Raffi die Stadt auf eine Faust erkundigen wollte und dies bis 5 Uhr früh irrenderweise auch tat.3
Genächtigt wurde traditionsbewusst im Auto und am späten Vormittag überblickte man noch schnell den jüdischen Friedhof von der Damentoilette eines gegenüberliegenden Museums aus und sparte auf diese Art wertvolles Geld und Zeit. (Danke Karin an dieser Stelle.)
Um 16:30 fand man sich wieder in Sankt Pölten ein und holte verpassten Schlaf der letzten zwei Tage nach. Schön war's.
Post Script: I'm back, baby. Der erste Eintrag seit einem halben Jahr. Endlich. Mögen ihm noch einige folgen.
Post Post Script: Mein ehrenwerter Mentor Ro Bro opferte sich als Korrekturleser und Hilfesteller. Vielen Dank!
1) Nicht nur der Nachname von 8 Personen in Österreich, nein es ist auch noch DAS tschechische Gebäck schlechthin. Vergleichsweise viele Zutaten erreichen den nie dagewesenen Geschmack von rein gar nichts, für 1 Euro gibt es 30 Stück und Mangelernährungen sind auf Dauer auch garantiert.
2) Name wurde aus Datenschutzgründen pseudonymisiert.
3) Meiner Theorie nach ist er die ganze Nacht über enthusiastisch den hiesigen Fahrzeugen diverser Einsatzkräften nachgelaufen und mit einem ständigen "wuowuowuowu wup wup" deren Sirenen imitierend.
Mittwoch, 17. Juni 2009
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