Donnerstag, 29. Oktober 2009

Last Days of Everton - Ein Nachruf

Everton ist tot. Eine Band die wie keine zweite mein Leben direkt und indirekt geprägt hat ist nun in den verdienten Ruhestand getreten und lässt mir somit keine Wahl anstatt eines Tourberichts der gemeinsamen Tage meine Dankbarkeit und Liebe gegenüber den involvierten Einzelpersonen Evertons Revue passieren zu lassen.

(FH Unterricht, Michi betrachtet den Flyer zur Mike-Park-Triebwerk-Show)
"Cool, die Mike Park Show in Wr. Neistodt. Worst du do durt?"
"Ahm ja. Ich spiel in Everton."
"Wöcha Instrument?"
"Gitarre."
"Cool. Vielleicht schau i ma eich a moi aun, waun spüts ihr es nächste Moi?"


Und so kam es dass ich am 29.11.2006 auf meinen ersten Evertonkonzert im Einbaumöbel, Wien, war. Es folgten einige Konzerte Ende 2006 und Anfang 2007, bei denen ich, dadurch dass ich meistens gemeinsam mit Michi von St. Pölten aus auf die Konzerte fuhr und dann auch noch einige Stunden vor eigentlichen Konzertbeginn anwesend war, die Bandmitglieder privat besser kennen und lieben lernte. Während Michi, Richard und Raffi zu nicht mehr wegdenkbaren Freunden wurden, lernte ich nach und nach indirekt durch ihre Konzerte weitere Liebmenschen kennen, welche einen zunehmend größeren Teil meiner Freizeit, meines Freundeskreises und meines Lebens einnahmen. 

Evertonshows wurden zur der besten aller Möglichkeiten viele Freunde, gute Bekannte und Sympathisanten auf einen Fleck anzutreffen. In Everton befand sich der Grundstein zu der Freundschaft zu den liebenswürdigen Menschen in Rika, Destroy Munich, der Sil-Bande, und unzähligen Einzelpersonen und -projekten.

Abgesehen davon danke ich der Band für das Privileg "Roadie" (ich weiß nicht ob ich dieser Bezeichnung gerecht wurde - ich fuhr dann und wann mit dem Auto/Bandbus und spielte Musik für die mich die Hälfte der Anwesenden hassen müsste) auf der Minitour, letztjährigen Tour und diesjährigen Tour sein zu dürfen.

Keine Band habe ich öfters spielen gesehen, mit keiner anderen Band habe ich soviel Zeit verbracht und persönliche Interessen geteilt. Mir fehlen die Worte meiner Dankbarkeit gegenüber Everton Ausdruck zu verleihen. Danke dass ihr mein Leben die letzten drei Jahre so entscheidend mitgestaltelt habt.

Gogo

Bilder der letzten Tour hier.

Sonntag, 6. September 2009

Gasteintrag Katja - Luxembourg (a.k.a. Eurotrippin' with K: Part 5)

ganz ehrlich? die inspiration/motivation jetzt doch endlich mit meinem beitrag zum blog anzufangen, war guzys blog. ich weiß nicht, warum ich ihn noch lese, aber ganz ehrlich: wenn er das kann, kann ich das auch. (nur vermutlich besser. in welcher hinsicht sei jetzt mal dahingestellt.)
luxembourg ist für mich, wie so ziemlich jeder stop der reise, einfach nur ein haufen unchronologischer eindrücke von wirrester herkunft, weswegen ich in diesem beitrag auch in keinster weise um eine chronologisch richtige wiedergabe bemüht sein werde. sorry. 

ich weiß noch, dass ich sehr erschöpft und müde war als wir das haus unserer hosts gefunden haben, keine ahnung mehr warum, aber das hat sich sofort gelegt als ich Kenn sah, oder noch viel wichtiger: hörte. endlich. endlich wieder amerikanisch. und eine katze in der wohnung. leicht verrückt, aber doch etwas dezent schnurrendes. 
aber zurück zu den hosts: er amerikaner, sie rumänin und beide unglaublich gebildete und hochqualifizierte leute in ihren jobs, dennoch konnten wir sie ziemlich aus dem konzept bringen als wir anfingen von schoko-koalas zu schwärmen, die wir im nahen groceries store gefunden hatten. weiters ist festzuhalten, dass gogo und Kenn einen erstaunlich ähnlichen musikgeschmack hatten. teilweise creepy mitanzusehen, hehe.
das nächste highlight und das was mir an luxembourg neben den schwindelerregenden höhen direkt in/unter der stadt am meisten abgehen wird ist ein 1l tetra pak smoothie um weniger als 4€. ich will das. ich brauch das.
weiters muss ich zugeben, dass mich diese stadt einfach vollkommen aus dem konzept gebracht hat. ich war immer überzeugt davon, dass ich über einen recht akzeptablen orientierungssinn verfügen würde, allerdings gehört diese behauptung aus drei gründen der vergangenheit an: 1) luxembourg ist eine stadt in ebenen. demnach bin ich mit höchster wahrscheinlichkeit auch in zukünftigen science fiction städten nicht zu gebrauchen. und 2) gogo hatte die karte und ohne karte eine stadt zum ersten mal zu betreten und mir einen überblick verschaffen zu wollen ist für mich fast ein ding der unmöglichkeit. I'm just walking in circles here... und 3) je mehr städte wir durchkreuzten umso weniger konnte sich mein orientierungssinn behaupten. das ging dann soweit, dass mich mein gefühl bei späteren stops einfach prinzipiell in die falsche richtung zu locken suchte.
aber da wir uns trotz karte doch nicht immer zurechtfanden, gibt es noch einen pluspunkt für diese stadt: menschen, die einfach über die straße rufen, ob man hilfe bräuche, weil wir gerade ratlos und zweifelnd auf die karte starrten, eine antwort nicht abwarten, herüberlaufen und einem sofort erklären, wo man ist und wie man dorthin gelangt, wo man hin will.
nach dem häufigen wechseln der stadtebenen ließen wir uns dann gegen abend im petrus -(hiesiger fluss)- tal, an einer anhöhe, nieder. gegen ende fror ich mir mal wieder den arsch ab, wir vernichteten die letzten reste des smoothie (das ding hat doch tatsächlich einen ganzen tag gehalten) und rollten dann den abhang zum gehweg hinunter, wobei wir uns beide dann wohl doch mehr blaue flecken holten als wir einander eingstehen wollten.

pancakes!!! kenn hat uns pancakes zum frühstück an unserem letzten morgen gemacht. meine ersten, echten pancakes mit syrup.

unsere hosts schickten uns auch zu einer der alten festungen die vom architekten der glaspyramide des louvres ergänzt wurde. und tatsächlich, der anbau war eindeutig der gleiche stil; sogar mehr als offensichtlich, was dann doch eher eine enttäuschung war. weiter den hang hinunter bin ich dann über einen torbogen, der zu einer mauer wurde, gegangen, um eine ecke gebogen und hab mich auf einmal vor einer hecke aus wilden brombeeren wiedergefunden. strike.
um dann von der festung endgültig wieder wegzukommen ohne wieder den ganzen hang raufgehen zu müssen, mussten wir nur über einen zaun klettern und schienen überqueren und schon befanden wir uns in grund (der untersten ebene in der auch die petrus fließt).
als letztes noch ein wort zu den kasematten. ein tunnel system, dass die beiden festungen aus dem mittelalter schon seit eben jenem verbindet. dort unten war es kühl, feucht und dunkel. wobei aber die extrem engen und steilen wendeltreppen am meisten spaß gemacht haben.

soviel also zu der schwindelerregenden stadt und wieder zurück an gogo, was mich mit freude erfüllt, da ich doch ziemlich davon überzeugt bin, dass mein beitrag nichts als schwachsinn ist. seid mir gegrüßt.

Mittwoch, 2. September 2009

Eurotrippin' with K - Part 4: "We're the living love"

Es ist 22 Uhr bis Mademoiselle K et moi in Strasbourg ankommen und bereits am Bahnhof von Couchsurferin Aude, ihrer Mutter und taiwanesischen Couchsurf-Gast Peng Chou erwartet werden. Und während des anschließenden Marsches durch den Petite France-Stadtteil wird offensichtlich, dass Aude wohl das burschikoste Mädchen ist, dass ich je getroffen habe. Aussehen, Kleidung, Gang und Gestik – you name it.

Petite France, im übrigen, reizt mit Fachwerkhäuser (welche ich irgendwie sehr mag) am Rande des Ills1 und ist besonders nachts recht nett anzusehen, fast so nett wie die leicht irritierende protzige Lichtershow2 des Strasbourgers Notre Dame. Die organisierte Religion dürfte in dem touristischen Grenz"städtchen" den Sprung ins 21. Jahrhundert geschafft haben, im Pariser Notre Dame gab es beispielsweise nur Kerzen und Teelichter. Aber irgendeine Einnahmequelle braucht die Kirche ja doch und wenn allerorten vom Tourismus profitiert wird, kann es doch nicht unrecht sein, für sich selbst ein Stück des Kuchens zu beanspruchen. Und da Kuchen in Großstädten teurer sind, verlangt man hier keine 10 Euro für eine Kerze wie in Paris, sondern kann einer milden Gabe von nur 20 Cent einen Pfeiler beleuchten lassen. Wow. Wie lang der Scheinwerfer dann Erleuchtung spendet mag, war mir dann doch keine 20 Cent wert, Neugierde macht nur Spaß solang dieser ohne finanziellen Unkosten nachgegangen werden kann. Aber ja, anhand diesen Beispiels sieht man, dass die Kirche wirklich im 21. Jahrhundert angekommen ist.3 Zyniker würden an dieser Stelle anmerken, dass die Tage von Wasser zu Wein der Vergangenheit angehören und man die Zeichen der Zeit erkannt hat - und nun Scheiße zu Geld macht.

Aber ich bin ja kein Zyniker.

Ansonsten fällt der Strasbourg Aufenthalt auch recht kurz und unspektakulär aus (Kapitel 3 sei Dank) – Posen vor Polizeiautos, Entenfüttern und wieder keine lila-leckere Waffel für unsere unerschrockenen Protagonisten. Wenigstens sinkt die Temperatur wieder etwas und ich kann rechtzeitig zum letzten Stopp in Frankreich meine Hassliebe zu dem Land – bis zum nächsten Jahr, vermutlich – wieder einmal auf Eis legen.



1) und den mag ich weil er geschrieben wie eine römische 3 aussieht
2) Zum Link: JA. Genauso war das auch mit dem Notre Dame.
3) Wer mir nun vorwirft das Christentum hätte alten Traditionen den Rücken gekehrt sei darauf verwiesen, dass mir nichts ferner liegt als dies zu behaupten, immerhin weiß doch jedes Kind dass man sich selbst von Sitten von vor 2600 Jahren4 noch nicht verabschiedet hat.
4) Für die eifrigen Link-Klicker: natürlich gehören die Tage der Päderastie vielerorts der Vergangenheit an – von Einzelpersonen/-fällen auf eine ganze Religion zu schließen ist unrecht und kurzsichtig. Und dass der Staat der Vatikanstadt die Schutzaltersgrenze bei 12 Jahren beziffert ist sicher auch nur ein böser Zufall...

Dienstag, 1. September 2009

Eurotrippin' with K - Part 3: "Did somebody order the rapé?"1

Murphy's Law Day für Zugreisende, wiedereinmal. Und bevor dies in einen weiteren Rant über die Unsicherheiten und Eventualitäten des Zugfahrens ausartet, lieber ein paar Worte zu einem spezifischen Ärgernis: TGVs.

Auf der einen Seite meinen manche zwar, sie seien recht flott unterwegs und so weiter und so fort, fragwürdiger Sitzkomfort und Umkosten für Reservierungen auf der anderen Seite sind jedoch eine Farce sondergleichen. Da könnte man sich ja beinahe glücklich schätzen, dass zum dritten Mal auf dieser Reise das Kartenkontingent für Reisende der Interrail-Klasse erschöpft ist und man, anstatt auf den späteren Zug (- 8 Stunden später -) zu warte, sich im vermutlich teuersten Internetcafé von Paris eine Verbindung Paris – Strasbourg mit ausschliesslich Regionalzügen zusammenstellt. Sechs Stunden Fahrtzeit statt zweieinhalb und das inkludiert noch nicht einmal die weiteren notwendigen Umwege: Nachdem der Zug nach Sarrebourg offensichtlich derselbe ist, wie jener nach Saarbruck (Saarbrücken) – die verschiedenen Ortsnamen und Abfahrtszeiten hätten ein klares Anzeichen dafür sein sollen – strandet man in Metz und macht sich stattdessen auf gut Glück auf nach Nancy.

Nancy entlohnt immerhin mit guter Küche (Fritterei!), welche neben sakriköstlichen Pommes auch „Babe“ und „Rapé“ in petto hatte und zwingt einen dann erst recht einen TGV nach Strasbourg zu nehmen. Aber immerhin: nur mehr 3 Euro2 anstatt der 102, die es in Paris gewesen wären.

Auch sehr schön: Beim Reservierungsvorgang/-versuch frage ich die Angestellte am Schalter, ob sie auch englisch spräche, worauf sie mit „no(n)“ antwortet und eilenden Schrittes das Weite sucht. I seriously lost count how often this already happened to me.



1) Ich hätte nie den Tag kommen gesehen, an dem ich Michael Cera quote, ohne dass dies dann gleichzeitig auch ein Arrested Development Zitat ist. Damn you, Roland.
2) pro Person

Eurotrippin' with K - Part 1 & 2

Eine gegenwärtige/zukünftig-vergangene Ausgabe meiner Person sitzt geruchskreativ und gemartert in einer vollständig mit Ikea-Möbeln ausgestatteten Pariser Wohnung, dreht sich im Kreis beim Versuch die letzten sechs Reisetage in konsumierbar-schlüssige Form zu bringen und fragt sich ob es der zukünftig-gegenwärtigen/gegenwärtigen Version von mir gelingen wird, hier lieblos in einen Block gefuzeltes Gewusel in einem Strasbourger Internetcafé oder ähnlichen in ein nicht minder uncharmantes Pixelgehäuf zu übertragen, so dass diesem noch Sinn und Spannung für den Leser zu hause entnehmen zu sind.
(Ehemals-zukünftig-gegenwärtiger/gegenwärtiger Gogo: Du Querkopf! Bist zu hause und hast es nie länger als 5 Minuten, und da wegen CS, ins Internet geschafft. Gerade du, der keine Zeitungen ließt, da diese nur Ereignisse von gestern enthalten, platzierst dich nun vor den Computer um zwei Wochen alte Geschehnisse zu publizieren? Sellout!)

Und da ich mir gerade einer schwafelnden Laune bewusst werde ab sofort ohne übermäßige Abschweifungen.

Chapter One
"And if you wanna buy some underground CDs afterwards... you can't."1


15. August 2009, Gogo, Munki und Pants betreten den Railjet nach München (Pants verlässt den Zug jedoch wieder in Salzburg), Nachtzug nach Paris in dem ich wieder Pants sehe, jedoch diesmal nicht in Form des Gogobedas sondern die einer Britin. TGV nach Marseille, Regionalzug nach Aix-En-Provence und dort bei mediterraner Hitze mit LL Cool K (alias Little Lara, ehemals Munki) Springbrunnen um Springbrunnen, Park um Park und Touristengässchen um Touristengässchen zu auszukundschaften. Und da einer dieser Gassen in früheren Zeiten dem Prostitutionsgewerbe dienlich war kann man auch heute noch über den Köpfen verschwitzter Touristen dezente bis weniger dezente Phallussymbole in den Geländerverzierungen der Balkone erblicken. Funny stuff.
Chloe und Simon, die hiesigen Couchsurfing-Hosts, im übrigen auch aller erste Güte, vegane Lebensweise gepaart mit Vorliebe für osteuropäischen Punk Rock und den für Franzosen (Achtung! Böswillige Verallgemeinerung mit Wahrheitsgehalt!) typischen beschissenen Fahrstil = yay.

Chapter Two
"So, you guys wanna stay here, or should we check out the huge line at the Eiffel Tower?"2


Stirb Langsam, zweiter Teil. Bruce Willis beschwert sich darüber dass ihm die selbe Schei Bredouille ein zweites Mal passiert und ich fühl mich nach etwa 11 Jahren3 mal wieder so richtig verbunden mit Mr. Willis. Während sich bei ihm jedoch stets Groll gegenüber ihm feindlich gesinnte Terroristen dreht, handelt meine Leidensgeschichte von den Gemeinsamkeiten des Paris des Jahres 2005 zu dem Paris des Jahres 2009. Touristen en masse und zu allem Überdruss schneit selbst mein Todfeind für einige Tage rein: die unerträgliche Hitze. Paris bei 35 Grad. "I don't deserve this."4

Abgesehen von dieser Ärgerlichkeit weiß Paris jedoch zu überzeugen. Klappert man am ersten vollen Tag die wichtigsten Sehenswürdigkeiten ab, so schafft man es am Tag 2 auch mal in den Louvre und zum ersten Mal schließt sich einem ein potentieller Vorteil der EU-Bürgerschaft: freier Eintritt bis 25 bei Nachweis eines EU-Wohnsitzes – so viel zum Thema "I don't need to be a global citizen..". Und während ich für meinen Teil eine Vorliebe für das Bildmotiv "mit Pferd kuschelnder Löwe" und auf der anderen Seite Missverständnis und überwiegende Ablehnung gegenüber italienischer Kunst zur Zeit der Renaissance entdecke, blüht Kollegin K voll und ganz auf und könnte wohl genauso gut eine Woche im Louvre verbringen. Aber nicht nur der Anblick weltbekannter (und vereinzelt auch furchtbar überbewerteter) Kunstwerke und das geschichtsträchtige Gebäude selbst entlohnen mehrstündige Fussmärsche, sondern auch der Anblick der Ordnungshüter vor den Gebäuden des Louvres: Polizisten mit Inlineskates, lieblich anzusehen und gleichzeitig fit genug um sich eventuell bietende Karrierechancen in Form von Statistenrollen in OPM Musikvideos wahrzunehmen.



1) Simon, nach Darbringung der Sehenswürdigkeiten der Stadt
2) Trotz starker Ablehnung Teenagerfilmen gegenüber, der ist immer noch großartig.
3) Meine kleine Schwester besaß zu diesem Zeitpunkt noch eine verblüffende Ähnlichkeit mit Herrn Willis.
4) Verbringe einen Tag mit mir bei größter Hitze und du wirst den Satz immer und immer hören. Er ist zudem auch wahr.

Freitag, 14. August 2009

I like food. Food tastes good.

Die Flucht aus dem Alltagstrott, der Drang gen unbekannte und verzauberte Örtchen dieser Erde, der Wunsch fremde Kulturen kennen zu lernen1 - all dies treibt Reisende im Allgemeinen an sich in ein präferiertes Beförderungsmittel zu setzen und das Weite zu suchen.
Ich denke nicht, dass ich dieser Gruppe angehöre.
Um ehrlich zu sein, veranlasst mich eher eine Vorliebe für Digestion und die dafür benötigten menschgemachten Mahlzeiten und Gebräue wahnwitzige Wegstrecken zurückzulegen, sei es des amerikanischen Softgetränks zur Liebe oder etwa der schwedischen Falafelrulle, welche einfach kein nennenswertes österreichisches Pendant in den Rang eines ernstzunehmenden Konkurrenten, im Wettkampf um qualitativere Gaumenfreuden, erheben kann.
That's right. Ich reise um zu essen.

"So you're saying you drove 24 hours by train to get a falafel?"
"25 to be exact, but yes."
"Okay?... You really must love them falafels then. But how long are you staying?"
"Well, my train home goes at 2 am. Maybe."
"That's in what, 5 hours? ...You know you're crazy?"
"Maybe so. I like to believe I'm just a little stupid."


Emmas Freunde wissen nicht so recht wie sie auf den Fremdling reagieren sollen. Zuerst umarmt er alle ohne Vorwarnung, meint dann man mache das in Schweden so und lobt anschließend wirr und unzusammenhängend verschiedenste Nahrungsmittel in den Himmel.
Dann schon wieder mit Emma reden.

Emma ist eine Couchsurferin Anfang 20, die allen Anschein nach experimentelle elektronische Musik mag, zufälligerweise auch meine bevorzugte Stilrichtung, wenn ich das Bedürfnis verspüre, verwirrt da zu stehen und nicht zu wissen was eigentlich abgeht. Zugegeben gelang es mir dann doch mich für einige Lieder der Band Midaircondo zu begeistern, wenngleich ich mich unter Emmas Freunden, Freundesfreunden und aberdutzenden weiteren Göteborgern gelegentlich doch etwas fehl am Platz fühle.
Das Göteborg Kulturkalas, ein sechstägiges Musik- und Kulturevent in ganz Göteborg und ich mittendrin.

Im direkten Vergleich zu den vorhergehenden Stunden ein schier unglaublicher Anstieg an Passanten, war ich ja am Nachmittag im Auslandswohnort der letzten vier Monate 2008, Borås, angekommen um mit der begehrten Falafelrulle meine, wenngleich kurzweilige und von Nostalgie durchtriebene, Wiederkehr würdig zu zelebrieren.
Verändert hatte sich kaum etwas. Das beschissene Wetter zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht und auch der Statuensammelobsession der Stadt wurde in den letzten 8 Monaten keinerlei Wegrationalisierungsmaßnahme zuteil - au contraire, Statuen der Marke "komischer-Kerl-mit-Teppichen-im-Jutesack" sowie "vermutlich-krankhaft-fettleibige-nackte-Frau" ließen mittlerweile die Herzen hiesiger Statuenfetischisten höher schlagen. Man prominierte durch vertraute Gässchen, Straßen, Abseitswege und Parks, deckte sich mit allerlei Leckerlis ein und machte sich dann am Weg nach Göteborg.

Jene Zugfahrt nach Göteborg sollte zugleich die letzte sein, welche reibungslos verlaufen sollte. Denn kaum war ich die Heimreise angetreten, mit etwas mehr Glück wär ich in 21 Stunden in Wien gewesen, zeichnete sich eine typisches Ärgernis der Interrailerei ab: Alles geht in Arsch.
Das Problem mit langen Strecken ist ein unvermeidbares, mehrmaliges Umsteigen und der damit verbundene Nervenkitzel bei Zugverspätungen ob man diesen und jenen Folgezug wohl noch erreichen wird. Kurzfristige Routenänderungen2, spontane Temperamentsausbrüche, Niedergeschlagenheit und irrationale Motivationsschübe vorprogrammiert.

"Sehr geehrte Damen und Herren. Aufgrund eines unvorhersehbaren Zugdefekts in Dänemark hat unser Zug momentan 110 Minuten Verspätung. Wir entschuldigen uns für etwaige Unannehmlichkeiten und werden Sie laufend über mögliche Anschlusszüge informieren."


Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir bereits mit Hilfe des Herrn Richard einen Plan B zusammengestellt, welcher durch die dann doch unerwartet hohe Verspätung zu nichte gemacht wurde und es somit besiegelt war, dass ich an diesem Tag nicht mehr nach Wien kommen würde.

"Sehr geehrte Fahrgäste. Aufgrund der hohen Verzögerung unseres Zuges, bedingt durch einen Zugdefekt in Dänemark, können Sie sich ab sofort gegen Vorlage ihrer Fahrkarte ein alkoholisches Frei-Getränk oder einen Kaffee ihrer Wahl aus dem Bordbistro holen..."


Booze to keep me warm on the streets at night? Verlockend, aber immerhin konnte ich mich dann doch noch bis Salzburg durchgschlagen3, wo ich bereits von der liebreizenden Katja erwartet wurde, welche berührt durch mein Schicksal (bzw. gelangweilt durch ihre Heimatstadt) sich in den letzten Zug nach Salzburg schmiß um mich mit einer exklusiven Führung des Salzburg bei Nacht zu vertrösten. Von dort ging's um 8 Uhr heimwärts, summa summarum eine Expedition von 72 Stunden, wovon lediglich 10 à pied durch schwedische Städte bestritten wurden.

Immerhin. Eine der besten Mahlzeiten des Jahres.



1) vorzugsweise außerhalb der Grenzen des eigenen Heimatlandes...
2) Kudos where kudos deserved: Was spontane Fahrplanauskünfte betrifft kann ich mich vor Herrn Richard Hatesong nur verneigen. Danke!
3) Kudos where kudos deserved, Part 2: Zwischenzeitlich sah es kurz danach aus als würde sich Zugmöglichkeit nach Simbach auftun. Dem war dann zwar nicht so, jedoch hätten mich die ehrenwerten Stefan und Nasch Rika vermutlich sogar von Mühlbach (Inn) geholt, wenn ich sie lieb darum gebeten hätte. Auch hier, vielen herzlichen Dank!

Mittwoch, 17. Juni 2009

Prager Spätfrühling

Von den etwa fünfzehn europäischen Hauptstädten, die mich bislang als Kurzurlauber aufgenommen haben, gelingt es wohl Prag, einer meiner Stockerlplatz-Hauptstädte, am besten, meinen Erwartungen jedes mal aufs
Neue gerecht zu werden. Erwartungen, die wohlgemerkt keine großen Hürden darstellen sollten, besteht, nach mittlerweile vier Pragbesuchen, mein eigentliches Interesse doch nur mehr darin, alte geliebte Orte wieder zu sehen und durch die Stadt zu schlendern.

So war es dann auch. Und wie schon letztes Jahr wurde der Städtebummel von einem Konzertbesuch im 007, wo Austin Lucas mit Mike Hale und Josh Small gastierte, abgerundet. Und wie schon letztes Jahr waren es die mühsamen Autofahrten wert, denn diese scheinen im ständig steigenden Alter doch etwas an den einst so unermüdlichen, jugendlichen Kräften zu rütteln. Das steigende Alter bringt zudem auch mehrere Zwischenstopps auf der Strecke mit sich, aber nicht etwa um in tschechischen Wäldern Luft zu holen und Wasser zu lassen, sondern, aufgrund altersunabhängigen geistigen Verfalls, an jedem größeren Supermarkt stehen zu bleiben, in stetiger Hoffnung "sie hätten jetzt vielleicht Moutain Dew".

Nach herben, doch absehbaren, Enttäuschungen und ein paar Dutzend Rohliks1 findet sich der Autor mit seinen unerschrockenen Mitfahrern, Raffi und Karin
2, in der Malá Strana, der tschechischen Hauptstadt wieder. Von dort zieht es mich wie so oft auf den Petřín (je nach eigenen kulturellen Interessen eventuell entweder bekannt durch dieses oder jenes) und im Anschluss zum erwähnten Konzert.

Danach ins Strahov Stadium. Immer noch baufällig, immer noch ausschließlich als Trainingsplatz des Sparta Praha in Verwendung. So dachte ich zumindest. Die Recherche ergab, dass dort seit den 90ern
größere Rockkonzerte stattfinden und sich dann bis zu 150.000 Musikfreunde im baufälligen Stadium einfinden. Und da Prag bei Nacht nie ein Fehler ist, ging man im Anschluss in die Innenstadt, wo Raffi die Stadt auf eine Faust erkundigen wollte und dies bis 5 Uhr früh irrenderweise auch tat.
3

Genächtigt wurde traditionsbewusst im Auto und am späten Vormittag überblickte man noch schnell den jüdischen Friedhof von der Damentoilette eines gegenüberliegenden Museums aus und sparte auf diese Art wertvolles Geld und Zeit. (Danke Karin an dieser Stelle.)

Um 16:30 fand man sich wieder in Sankt Pölten ein und holte verpassten Schlaf der letzten zwei Tage nach. Schön war's.

Post Script: I'm back, baby. Der erste Eintrag seit einem halben Jahr. Endlich. Mögen ihm noch einige folgen.
Post Post Script: Mein ehrenwerter Mentor Ro Bro opferte sich als Korrekturleser und Hilfesteller. Vielen Dank!


1) Nicht nur der Nachname von 8 Personen in Österreich, nein es ist auch noch DAS tschechische Gebäck schlechthin. Vergleichsweise viele Zutaten erreichen den nie dagewesenen Geschmack von rein gar nichts, für 1  Euro gibt es 30 Stück und Mangelernährungen sind auf Dauer auch garantiert.
2) Name wurde aus Datenschutzgründen pseudonymisiert.
3) Meiner Theorie nach ist er die ganze Nacht über enthusiastisch den hiesigen Fahrzeugen diverser Einsatzkräften nachgelaufen und mit einem ständigen "wuowuowuowu wup wup" deren Sirenen imitierend.