Donnerstags durfte ich mein erstes Examen außerhalb der österreichischen Grenzen erfahren und da dies eine interessante als auch amüsante Erfahrung war möchte ich dem nun einen ganzen Eintrag widmen und Neuigkeiten und Andersheiten vorerst ausser Acht lassen.
"Konsekvenser av datorisering för individ och samhälle" nannte sich das Fach, die Behandlung von ethischen Problemfelder welche die Computerisierung für die Menschheit mit sich zieht. Die Prüfung war für 12:00 angesetzt und als hochanständiger Student stand ich 5 Minuten vor genannter Zeit vor der verschlossenen Tür des Prüfungsraumes. Durch die Fenster der Tür konnte man einige Mitstudenten erspähen, die bereits gebannt an ihren Pulten auf die Prüfungsfragen warteten, die Tür blieb einen jedoch verschlossen. Nach einiger Zeit wurde diese von Innen geöffnet und ein älterer Herr trat heraus und begann auf schwedisch etwas zu erklären. Nach dreimaligen fragen ob er auch englisch spreche, verstand er die eingeschobene Frage als mehr als nur Smalltalk und erklärt nun auch auf englisch, dass man mindestens eine Viertelstunde vor Prüfungsbeginn dasein hätte müssen. Die akademische Zeitangabe mal andersrum. Den Prüfungsraum jedoch dürfte man nun jedoch nicht mehr betreten, dies sei Gesetz, es sei den man sei gewillt eine weitere halbe Stunde verstreichen zu lassen, um dann um 12:30 mit der halben Prüfungszeit (bis 13:00) vorlieb zu nehmen. Eine Art Strafe für Leute die zu wenig zu früh kommen.
Ich fand diese Lösung ganz amüsant und machte mich ans Absitzen meiner Strafzeit. Als es dann 12:30 wurde, wurde mir gemeinsam mit vier weiteren Leidensgenossen der Eintritt in die heilige Halle der schriftlichen Lehrerfolgskontrolle gewährt. Man musste eventuelle Rucksäcke und Klamotten, welche man entbehren konnte ohne gleich eine Hypothermie herbeizuführen, in eine vorgegebene Ecke des Raumen stellen und legen und sich dann zu den leeren Pults begeben, wo ein Gehilfe des älteren Herren sich daran machte leere Blätter zu verteilen. Der ältere Herr selbst begann mit Kuverts durch die Reihen zu gehen. Eines musste man ziehen, dies war dann die Prüfungsfrage und war man mit dieser nicht zufrieden hatte man die Wahl einmal zu wechseln. Zurückgelegte Fragen wurden neu verpackt und kamen wieder in den Kuvertfächer. Ich war mit meiner Frage zufrieden.
Punkt 13:00 kam dann Bertil, der Vortragende des Kurses, und führte uns in einen Raum in dem Tische zu einer Diskussionsrunde geformt standen. Die von uns gewählte Frage würde nun vorgetragen und anschließend mit Mitstudenten und Bertil selbst diskutiert werden. Es herrschte bald eine äußerst lockere Stimmung und Rassentheorien wie auch Stirnersche Theorien (hehe) fügten sich in die Diskussionsrunden, welche manchmal nur mehr peripher mit der Computerwelt zu schaffen hatten. Nach anderthalb Stunden war auch dieser Teil der Prüfung vorbei und man verließ den Raum mit dem Gefühl man hätte nun mehr gelernt als man zuvor hätte lernen sollte. Eine interessante Prüfungsmethode. Mehr davon bitte.
Freitag, 26. September 2008
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