Schweden hat mich, wenn auch nicht mehr für lange Zeit, wieder. Wie der erste Eintrag meiner Reise erblickt nun auch der letzte das Licht der Welt aus meinen vier Wänden heraus. Freitag und Samstag Vormittag überließ ich Köln die Ehre, meinen Trip ausklingen zu lassen. Diese Klänge variierten stark von dem wunderbaren Liveklang Sometrees, denen ich am Freitag Abend zu horrendem Eintrittspreis ins Blue Shell gefolgt war, bis hin zum leicht dissonanten, doch sympathischen Gesang alter Wizo Klassiker meiner Couchsurfer-Hostess Lisa beim Nachhauseweg vom erwähnten Konzert.
Was bleibt noch über diese fremde Heimat, Heimat der Mohrrüben1, Kürbisköpfen2 und Kommas3 zu sagen? Zum einen, dass man sich wohl glücklich schätzen konnte, vor Köln vom Weihnachtsrummel verschont geblieben zu sein, Lamas einfach nicht in Fussgängerzonen passen und dass man hier an oder in die Uni geht, niemals auf. Sagte ich gehen? Ich meinte laufen4.
Soviel in aller Kürze zu meinem letzten Stopp, ich werde mich nun daran machen, die Leaks und Nachrichten der letzten anderthalb Wochen nachzuholen. On the road gehen diese immer spurlos an mir vorbei, weswegen ich gerade mal einige Informationsfetzen über ein problemgeplagtes Indien und den Schengenbeitritt der Schweiz mein Eigen nennen kann. Besonders bei zweiterem kann ich jetzt bereits laut gewordene Kritikerstimmen verstehen, habe man mit der Schweiz, dem nachfolgenden Belangen das China Europas, ja seit eh und je seine liebe Not. Unschuldige Vorarlberger, werft ab sofort mehr den je ein ganz besonderes behütendes Auge auf eure lieben Haustiere, um sie vor diebischen Schweizer Haubenrestaurants fern zu halten. Verarbeitet sie lieber selber zu Schmalz, wie bisher.
Zusätzlich zu diesem Wort-Gespeih habe ich im übrigen die bisherigen (Reise-) Posts mit fehlenden Verlinkungen verfeinert, möge dem gelangweilten Durchschnittsleser ein ebenso gelangweiltes Zweitlesen, oder alternativ dem Nachholen von Verpasstem, nichts mehr im Wege stehen. But hurry up before the whole internet goes illegal!
1) Karotten
2) Bluza; in diesem Fall die beleidigende Bezeichnung. (Als Demonstrationszweck sprachlicher Unterschiede und nicht als Beleidigung deutscher Einwohner.)
3) Nachdem man in Activity-Manier beim Erklären und pantomimischen Darstellen eines Beistriches gescheitert war, errang man durch das Aufzeichnen des Beistriches den ersehnten Erfolg in Form eines "Ach, ein Komma"-Ausrufes beim Gegenüber
4) ...und mit "laufen" meine ich gehen. Zumindest als Deutscher.
Samstag, 29. November 2008
Freitag, 28. November 2008
Airport Control - Nachtrag Danzig1, Donnerstag Abend
Ob es der monströse blaue Fleck an meiner linken Hand vom Rodeln in Stockholm, mein verdutzter Gesichtsausdruck beim Erblicken eines "All White Shuttle Service"s in Liverpool oder eben die Flughafenkontrolle in Danzig ist - Kuriositäten habe ich aus jedem Land mitgenommen. Da ich mich aber bei besagter Kontrolle nicht auf die Auflistung oder gar, wie mit anderen Situationen, auf das durch den Rost fallen lassen beschränken will, hier eine kurze Schilderung des Erlebnisses.
Da ich nicht wusste, ob mir Lockerheit oder Strenge bei der Flughafenkontrolle passieren werde, beschloss ich, mein Handy samt Holster im Handgepäck zu verstauen. Sobald ich die Sicherheitsleute erblickte, meinte ich richtig gehandelt zu haben. Mein erster Gedanke: "Was zum Teufel?...Armeeklamotten?!" 7 oder 8 Mitarbeiter für zwei Kontrollstellen, allesamt in Armeekluft. Die Leute, die vor mir durch das Röntgen der Fluggastkontrolle gingen, wurden trotz ausbleibenden Aufschreien des Gerätes zusätzlich mit den Händen befühlt und ich malte mir ein ähnliches Szenario für meine Wenigkeit aus.
Als ich Rucksack und Tascheninhalt im Körbchen einem der Sicherheitsleute überreichte, meinte dieser, nachdem ich seine Fragen nach Laptop oder Flüssigkeiten verneinte, ob sich weitere Elektronik im Rucksack befände. "A Camera", antwortete ich. "Small or big one?" - "Big one." - "You better show me then." - "I've got a mobile phone as well." - "They're okay." "I don't know, it's a rather big one as well, like the camera" meinte ich und und kramte das Handy hervor. Der Sicherheitsmann beginnt zu lachen. Er winkt seinen Kollegen zu und spricht mit erhobener Stimme: "Hey check it out! It's a mobile phone!" Binnen Sekunden stürmten alle Sicherheitsleute herbei, manche lachend, manche staunend, als würde es sich hierbei um den heiligen Gral handeln. Das Telefon wird herumgreicht, ein brillentragender, etwas rundlicher Sicherheitsmann meint, es sei dieses und dieses Modell (Nerd...), ich verneine jedoch. Ein wieder anderer Kollege meint, ich hätte da ja fast eine Waffe und die Truppe beginnt erneut zu lachen.
Ich durchschreite den Körperscanner und breite meine Arme aus, der Sicherheitsangestelle winkt jedoch ab und gesellt sich wieder zu seinen Kollegen. Erst jetzt bemerke ich, dass Kontrollposten Nummer 2 wohl schon eine volle Minute unbesetzt ist und begebe mich zu meinem Hab und Gut. Der Nerd-Beamte fragt, ob er es öffnen dürfe (bitte auf der Zunge zergehen lassen: Leute, die dafür angestellt worden sind überall reinzusehen, egal was man davon hält, fragen um meine Erlaubnis), ich nicke und er nimmt den Akku ab und sucht die Modellnummer. "Maybe it's a prototype?" meint einer - Gelächter.
Ich lasse ihnen ihr Spielzeug und beginne meine Sachen einzusammeln. Erst jetzt bemerkt der Sicherheitsmann, der gerade mein Handy hält, den Holster neben dem Rucksack liegen, nimmt ihn stutzig in die Hand und bevor er überhaupt eine Frage stellen kann meine ich: "For the mobile phone. It wouldn't fit into my pockets". "I told you, you had a weapon there", meint dieser schmunzelnd, dreht sich zu seinen Kollegen und meint "Hey guys, look" und mimt mit einer Hand einen Schulterholster wie meinen und nimmt mit einer raschen Bewegung der anderen Hand das Handy hervor und meint: "Hello?" Schallendes Gelächter. Ich sage "Yeah, I should have done that to fool you guys." und sie lachen wieder. Ich bekomme mein Spielzeug zurück und ich packe meine restlichen Sachen, während sie die Arbeit wieder aufnehmen.
So - und nicht anders - sollten Sicherheitskontrollen ablaufen.
1) Ich bin ja eher Anhänger der polnischen Version, Gdansk, aber um der deutschsprachigen Linie treu zu bleiben bin ich gewillt, es Danzig zu nennen.
Da ich nicht wusste, ob mir Lockerheit oder Strenge bei der Flughafenkontrolle passieren werde, beschloss ich, mein Handy samt Holster im Handgepäck zu verstauen. Sobald ich die Sicherheitsleute erblickte, meinte ich richtig gehandelt zu haben. Mein erster Gedanke: "Was zum Teufel?...Armeeklamotten?!" 7 oder 8 Mitarbeiter für zwei Kontrollstellen, allesamt in Armeekluft. Die Leute, die vor mir durch das Röntgen der Fluggastkontrolle gingen, wurden trotz ausbleibenden Aufschreien des Gerätes zusätzlich mit den Händen befühlt und ich malte mir ein ähnliches Szenario für meine Wenigkeit aus.
Als ich Rucksack und Tascheninhalt im Körbchen einem der Sicherheitsleute überreichte, meinte dieser, nachdem ich seine Fragen nach Laptop oder Flüssigkeiten verneinte, ob sich weitere Elektronik im Rucksack befände. "A Camera", antwortete ich. "Small or big one?" - "Big one." - "You better show me then." - "I've got a mobile phone as well." - "They're okay." "I don't know, it's a rather big one as well, like the camera" meinte ich und und kramte das Handy hervor. Der Sicherheitsmann beginnt zu lachen. Er winkt seinen Kollegen zu und spricht mit erhobener Stimme: "Hey check it out! It's a mobile phone!" Binnen Sekunden stürmten alle Sicherheitsleute herbei, manche lachend, manche staunend, als würde es sich hierbei um den heiligen Gral handeln. Das Telefon wird herumgreicht, ein brillentragender, etwas rundlicher Sicherheitsmann meint, es sei dieses und dieses Modell (Nerd...), ich verneine jedoch. Ein wieder anderer Kollege meint, ich hätte da ja fast eine Waffe und die Truppe beginnt erneut zu lachen.
Ich durchschreite den Körperscanner und breite meine Arme aus, der Sicherheitsangestelle winkt jedoch ab und gesellt sich wieder zu seinen Kollegen. Erst jetzt bemerke ich, dass Kontrollposten Nummer 2 wohl schon eine volle Minute unbesetzt ist und begebe mich zu meinem Hab und Gut. Der Nerd-Beamte fragt, ob er es öffnen dürfe (bitte auf der Zunge zergehen lassen: Leute, die dafür angestellt worden sind überall reinzusehen, egal was man davon hält, fragen um meine Erlaubnis), ich nicke und er nimmt den Akku ab und sucht die Modellnummer. "Maybe it's a prototype?" meint einer - Gelächter.
Ich lasse ihnen ihr Spielzeug und beginne meine Sachen einzusammeln. Erst jetzt bemerkt der Sicherheitsmann, der gerade mein Handy hält, den Holster neben dem Rucksack liegen, nimmt ihn stutzig in die Hand und bevor er überhaupt eine Frage stellen kann meine ich: "For the mobile phone. It wouldn't fit into my pockets". "I told you, you had a weapon there", meint dieser schmunzelnd, dreht sich zu seinen Kollegen und meint "Hey guys, look" und mimt mit einer Hand einen Schulterholster wie meinen und nimmt mit einer raschen Bewegung der anderen Hand das Handy hervor und meint: "Hello?" Schallendes Gelächter. Ich sage "Yeah, I should have done that to fool you guys." und sie lachen wieder. Ich bekomme mein Spielzeug zurück und ich packe meine restlichen Sachen, während sie die Arbeit wieder aufnehmen.
So - und nicht anders - sollten Sicherheitskontrollen ablaufen.
1) Ich bin ja eher Anhänger der polnischen Version, Gdansk, aber um der deutschsprachigen Linie treu zu bleiben bin ich gewillt, es Danzig zu nennen.
Donnerstag, 27. November 2008
The Dew Connection - Danzig, Dienstag - Donnerstag
Als der Reinhold Messner1 meines Freundeskreises wäre es widersinning gewesen, nach London, als Punkt 2 der Heimreise, direkt den momentanen Studienort anzusteuern, weswegen ich schnell noch weitere Punkte auf der Landkarte markiere und nun auf einer Couch Sigur Ros hörend Versuche anstelle, die vergangenen Tage zu rekapitulieren. Zum einen wäre da die Besitzerin der Couch ein guter Beginn, schließlich fühle ich mich einmal mehr mit Wehmut erfüllt zu wissen, einen Couchsurfer-Host verlassen zu müssen. Manche Menschen machen es einem eben nicht leicht, sie nicht augenblicklich dem Freundeskreis beimengen zu wollen, und Ewelina, das leicht neurotische, energiegeladene, humorvolle Mädchen mit der wohl gemütlichsten Einzimmerwohnung inmitten eines der hiesigen Sovietwohnblocks, ist eine davon. Dennoch muss ich bei meiner Ausführung achtgeben, sie wäre im Stande diese zu lesen und mich, weniger wegen der dargebrachten Charakterisierung als meiner mangelhaften Beistrichsetzung, ein weiteres Mal auf die Schaufel zu nehmen.
(Mittlerweile läuft 60er Jahre Soul und Ikea-Männer bauen vor meinen Augen einen Schrank zusammen...)
Aber auch der Charme der polnischen Hansestadt selbst, sowie einige Einwohner, mit denen ich sprach/sprechen konnte, überraschten mich im positivsten Sinne. Eine nette Altstadt, ein Hafen, welcher wohl bereits von der einen oder anderen ansäßigen Band als Kulisse für Promoshots herhalten musste, und besonders erfreulich: Mountain Dew in 2 Liter Flaschen. W00t!
Neidern und Gourmets sei an dieser Stelle verraten, dass ich plane, meine Reseller-Funktion wieder aufzunehmen...
Einige Stunden später habe ich mich an einem der Internetcomputer der Universitätsbibliothek eingefunden und bringe nun meine Notizen in eine haltbare Form. Anschließend geht es an den Flughafen, um mich irgendwann nach Mitternacht am nächsten Zwischenstopp einzufinden.
Und da sich wohl früher oder später die Frage meiner Rückkehr an den erwähnten Studienort in den Köpfen der Verbraucher dieses öffentlich zugänglichen Monolog-Monstrums manifestieren wird, nehme ich hier großzügigerweise die Antwort vorweg: nach dem nächsten Stopp ist Schluss.
1) "Do wor i naunit, do muars i hin!"
(Mittlerweile läuft 60er Jahre Soul und Ikea-Männer bauen vor meinen Augen einen Schrank zusammen...)
Aber auch der Charme der polnischen Hansestadt selbst, sowie einige Einwohner, mit denen ich sprach/sprechen konnte, überraschten mich im positivsten Sinne. Eine nette Altstadt, ein Hafen, welcher wohl bereits von der einen oder anderen ansäßigen Band als Kulisse für Promoshots herhalten musste, und besonders erfreulich: Mountain Dew in 2 Liter Flaschen. W00t!
Neidern und Gourmets sei an dieser Stelle verraten, dass ich plane, meine Reseller-Funktion wieder aufzunehmen...
Einige Stunden später habe ich mich an einem der Internetcomputer der Universitätsbibliothek eingefunden und bringe nun meine Notizen in eine haltbare Form. Anschließend geht es an den Flughafen, um mich irgendwann nach Mitternacht am nächsten Zwischenstopp einzufinden.
Und da sich wohl früher oder später die Frage meiner Rückkehr an den erwähnten Studienort in den Köpfen der Verbraucher dieses öffentlich zugänglichen Monolog-Monstrums manifestieren wird, nehme ich hier großzügigerweise die Antwort vorweg: nach dem nächsten Stopp ist Schluss.
1) "Do wor i naunit, do muars i hin!"
Abonnieren
Posts (Atom)