Mittwoch, 2. September 2009

Eurotrippin' with K - Part 4: "We're the living love"

Es ist 22 Uhr bis Mademoiselle K et moi in Strasbourg ankommen und bereits am Bahnhof von Couchsurferin Aude, ihrer Mutter und taiwanesischen Couchsurf-Gast Peng Chou erwartet werden. Und während des anschließenden Marsches durch den Petite France-Stadtteil wird offensichtlich, dass Aude wohl das burschikoste Mädchen ist, dass ich je getroffen habe. Aussehen, Kleidung, Gang und Gestik – you name it.

Petite France, im übrigen, reizt mit Fachwerkhäuser (welche ich irgendwie sehr mag) am Rande des Ills1 und ist besonders nachts recht nett anzusehen, fast so nett wie die leicht irritierende protzige Lichtershow2 des Strasbourgers Notre Dame. Die organisierte Religion dürfte in dem touristischen Grenz"städtchen" den Sprung ins 21. Jahrhundert geschafft haben, im Pariser Notre Dame gab es beispielsweise nur Kerzen und Teelichter. Aber irgendeine Einnahmequelle braucht die Kirche ja doch und wenn allerorten vom Tourismus profitiert wird, kann es doch nicht unrecht sein, für sich selbst ein Stück des Kuchens zu beanspruchen. Und da Kuchen in Großstädten teurer sind, verlangt man hier keine 10 Euro für eine Kerze wie in Paris, sondern kann einer milden Gabe von nur 20 Cent einen Pfeiler beleuchten lassen. Wow. Wie lang der Scheinwerfer dann Erleuchtung spendet mag, war mir dann doch keine 20 Cent wert, Neugierde macht nur Spaß solang dieser ohne finanziellen Unkosten nachgegangen werden kann. Aber ja, anhand diesen Beispiels sieht man, dass die Kirche wirklich im 21. Jahrhundert angekommen ist.3 Zyniker würden an dieser Stelle anmerken, dass die Tage von Wasser zu Wein der Vergangenheit angehören und man die Zeichen der Zeit erkannt hat - und nun Scheiße zu Geld macht.

Aber ich bin ja kein Zyniker.

Ansonsten fällt der Strasbourg Aufenthalt auch recht kurz und unspektakulär aus (Kapitel 3 sei Dank) – Posen vor Polizeiautos, Entenfüttern und wieder keine lila-leckere Waffel für unsere unerschrockenen Protagonisten. Wenigstens sinkt die Temperatur wieder etwas und ich kann rechtzeitig zum letzten Stopp in Frankreich meine Hassliebe zu dem Land – bis zum nächsten Jahr, vermutlich – wieder einmal auf Eis legen.



1) und den mag ich weil er geschrieben wie eine römische 3 aussieht
2) Zum Link: JA. Genauso war das auch mit dem Notre Dame.
3) Wer mir nun vorwirft das Christentum hätte alten Traditionen den Rücken gekehrt sei darauf verwiesen, dass mir nichts ferner liegt als dies zu behaupten, immerhin weiß doch jedes Kind dass man sich selbst von Sitten von vor 2600 Jahren4 noch nicht verabschiedet hat.
4) Für die eifrigen Link-Klicker: natürlich gehören die Tage der Päderastie vielerorts der Vergangenheit an – von Einzelpersonen/-fällen auf eine ganze Religion zu schließen ist unrecht und kurzsichtig. Und dass der Staat der Vatikanstadt die Schutzaltersgrenze bei 12 Jahren beziffert ist sicher auch nur ein böser Zufall...

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