6:23 am Flughafen Frankfurt-Hahn. Ich sitze auf einen abgelegenen und somit geräusch- sowie menschenarmen Gang des Flughafens, "entlehne" mir Strom zum Laden meines Mp3 Players und beginne das Vorformulieren dieses Blogeintrages. Die letzten fünf bis sechs Tage waren gekennzeichnet durch viele liebe Menschen, ständiger Bewegung und verhältnismässig wenig Schlaf.
Mittwoch letzter Woche war ich zum ersten Mal auf diesen Flughafen irgendwo im Nichts von Deutschland. Ich hatte damals einen Bus nach Frankfurt genommen, bin dort im Halbschlaf am Cityairport anstatt dem Hauptbahnhof ausgestiegen und hatte nach dem Erreichen des Zentrums prominierend die, mit imponierenden Wolkenkratzer versehene Straßen dieser Wirtschaftsmetropole erkundschaftet.
Nach Mitternacht ist die Stadt gemessen an ihrer Größe doch etwas menschenleer, dann und wann wandeln einem wie in einem künstlerischen Cinema Nouveau Zombiefilm Hedge-fonds-lechzende Anzugsträger entgegen. Sie bilden die zweithäufigste Lebensform Frankfurt bei Nachts. Die häufigste sind Hasen. Und ich fühle mich einmal mehr in meiner These Hasen seien die neuen Katzen gestützt wenn keine zwei Meter von der Zeil1 entfernt ein halbes Duzend Hasen grasen sehe.
Findet man sich nach mehrstündiger Wanderung dann am Frankfurter Bahnhof ein bietet dieser zwar keine sanitären Einrichtungen (wozu auch, ist ja laut DB nur der bedeutendste Bahnhof bundesweit) dennoch genug Wege sich kreativ die Zeit zu vertreiben. Mein Favorit seit eh und je: der Briefmarkenautomat. Dieser ermöglicht einen den Centbetrag der Briefmarke frei zu wählen, gibt überschüssig eingeworfenes Geld in weiteren Briefmarken aus und sobald der gelangweilte Nerd entdeckt hat, dass die ersten 13 Nachkommastellen von Pi die Quersumme 65 ergeben was eben gerade den Betrag entspricht, der für eine Karte nach Österreich notwendig ist, wird dieser vom Automaten auch noch zu kleinen Logikrätseln, wie er wohl jetzt seine 5 und 10 Centstücke einwerfen werde um exakt die 13 Briefmarken zu bekommen die er wolle, beflügelt.
Nach mehrstündigen Herumlungern gehts dann aber irgendwann heimwärts wo mit den besten Menschen der Welt neue wertvolle Erkenntnisse gesammelt werden. Wie etwa dass das Tragen von kurzen Hosen bei Verkehrskontrollen einem einen Alkoholtest einfährt, das Südmährerkreuz bei dichten Nebel eindrucksvoller ist als untertags2, Erotikkinos mit freien Eintritt für Päärchen diesen nur für heterosexuelle welche limitieren und das Marimbaphone mit 4-5 Schlägeln gespielt werden.
Und während der Rückreise nach Schweden entdeckt man einen Weg die Bezahlinternetstationen des Flughafens gratis (zumindest ICQ) benutzen zu können und dass dieser Blog anscheinend auch in Deutschland gelesen wird. Zumindest hatte ich es als gezielte Provokation aufgefasst, dass mich, in Göteborg gelandet, eine Deutsche nach der hiesigen Zeitzone gefragt hatte. It's just not funny anymore.
Nichtsdestotrotz das Fazit der letzten Tage: es war gut, es war bombastisch. Danke an alle Mitwirkenden.
1) Frankfurter Pendant zur Kärnter-/Mariahilferstraße
2) tagsüber; für Leser aus Deutschland
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