Samstag, 27. September 2008

FAQ

Ich möchte mich nun öffentlich zu den am häufig gestelltesten Fragen äußern um Platz für neue Fragen zu schaffen. Ich bin diese nämlich, trotz der humoristischen Note in welcher sie meistens fallen, schon etwas leid.

1) Kannst du schon schwedisch?

Ich werde mir vermutlich selbst nach meiner Abreise nicht anmaßen zu behaupten ich beherrsche eine neue Sprache. Meine Antwort auf diese Frage wird also immer Nein sein, egal ob mein Wissensstand ausreicht um mich vorzustellen oder auf schwedisch zu flirten.

2) Wie spät ist es gerade bei dir?

Sag du’s mir - wie spät isses bei dir? Schweden sowohl als Österreich befinden sich beide in der Zeitzone UTC+1. Auch wenn es über 1000 Kilometer Luftlinie zu meiner eins sind, liege ich dennoch nur etwa 251,8 Kilometer westlich von Wien1 (die Breitengrade seien hier mal vernachlässigt). Das entspricht in etwa der Luftstrecke Wien - Klagenfurt.


3) Aber ist es nicht schon um 15 Uhr dunkel bei dir?

Nein. Sonnenauf- und Sonnenuntergang sind nämlich nicht nur vom Breitengrad sondern auch Längengrad abhängig. Momentan ist es noch so, dass ich aufgrund der 251,8 Kilometer westlicheren Lage – dem unvorteilhafteren Breitengrad zum Trotz - einen etwas späteren Sonnenaufgang, jedoch auch späteren Sonnenuntergang als in Niederösterreich/Wien erlebe. Dafür überwiegen jedoch die Sonnenstunden dort bereits jetzt um etwa 5 Minuten. Erst ab den 13. Oktober geht dann hier die Sonne früher unter als in Wien. Es dauert dann aber auch bis November/Dezember bis man wirklich gravierende Unterschiede merkt. Der 15. Dezember markiert das Extrem und beschert einen Wiener 107 Minuten mehr Sonne und einen Sonnenuntergang um 16 Uhr anstatt 15:20. Ab den 16. Dezember wird man beiderorts langsam aber doch mit mehr Sonnenminuten und späteren Sonnuntergängen umhegt. Was mich elegant zur letzten Frage geleitet:


4) Wann kommst du jetzt (fix) wieder?

Meine letzten Prüfungen sind für Mitte Dezember bzw. eine Woche vor Weihnachten angesetzt, ohne dass ich noch genaues Datum wissen würde. Ich wache auch noch nicht schweißgebadet spätnachts auf, weil ich noch keinen Flug gebucht habe. Die Art der Heimkehr überlasse ich noch der Ungewissheit – bei ihr waren bis dato Sachen immer gut aufgehoben.

1) Berechnungsbasis: cos(Breitengrad Wien) × 2 × π × Erdradius/360° = ca. 74,1km × Differenz Längengrad Wien/Boras (ca. 3,4).

Freitag, 26. September 2008

Prüfung

Donnerstags durfte ich mein erstes Examen außerhalb der österreichischen Grenzen erfahren und da dies eine interessante als auch amüsante Erfahrung war möchte ich dem nun einen ganzen Eintrag widmen und Neuigkeiten und Andersheiten vorerst ausser Acht lassen.

"
Konsekvenser av datorisering för individ och samhälle" nannte sich das Fach, die Behandlung von ethischen Problemfelder welche die Computerisierung für die Menschheit mit sich zieht. Die Prüfung war für 12:00 angesetzt und als hochanständiger Student stand ich 5 Minuten vor genannter Zeit vor der verschlossenen Tür des Prüfungsraumes. Durch die Fenster der Tür konnte man einige Mitstudenten erspähen, die bereits gebannt an ihren Pulten auf die Prüfungsfragen warteten, die Tür blieb einen jedoch verschlossen. Nach einiger Zeit wurde diese von Innen geöffnet und ein älterer Herr trat heraus und begann auf schwedisch etwas zu erklären. Nach dreimaligen fragen ob er auch englisch spreche, verstand er die eingeschobene Frage als mehr als nur Smalltalk und erklärt nun auch auf englisch, dass man mindestens eine Viertelstunde vor Prüfungsbeginn dasein hätte müssen. Die akademische Zeitangabe mal andersrum. Den Prüfungsraum jedoch dürfte man nun jedoch nicht mehr betreten, dies sei Gesetz, es sei den man sei gewillt eine weitere halbe Stunde verstreichen zu lassen, um dann um 12:30 mit der halben Prüfungszeit (bis 13:00) vorlieb zu nehmen. Eine Art Strafe für Leute die zu wenig zu früh kommen.

Ich fand diese Lösung ganz amüsant und machte mich ans Absitzen meiner Strafzeit. Als es dann 12:30 wurde, wurde mir gemeinsam mit vier weiteren Leidensgenossen der Eintritt in die heilige Halle der schriftlichen Lehrerfolgskontrolle gewährt. Man musste eventuelle Rucksäcke und Klamotten, welche man entbehren konnte ohne gleich eine Hypothermie herbeizuführen, in eine vorgegebene Ecke des Raumen stellen und legen und sich dann zu den leeren Pults begeben, wo ein Gehilfe des älteren Herren sich daran machte leere Blätter zu verteilen. Der ältere Herr selbst begann mit Kuverts durch die Reihen zu gehen. Eines musste man ziehen, dies war dann die Prüfungsfrage und war man mit dieser nicht zufrieden hatte man die Wahl einmal zu wechseln. Zurückgelegte Fragen wurden neu verpackt und kamen wieder in den Kuvertfächer. Ich war mit meiner Frage zufrieden.

Punkt 13:00 kam dann Bertil, der Vortragende des Kurses, und führte uns in einen Raum in dem Tische zu einer Diskussionsrunde geformt standen. Die von uns gewählte Frage würde nun vorgetragen und anschließend mit Mitstudenten und Bertil selbst diskutiert werden. Es herrschte bald eine äußerst lockere Stimmung und Rassentheorien wie auch Stirnersche Theorien (hehe) fügten sich in die Diskussionsrunden, welche manchmal nur mehr peripher mit der Computerwelt zu schaffen hatten. Nach anderthalb Stunden war auch dieser Teil der Prüfung vorbei und man verließ den Raum mit dem Gefühl man hätte nun mehr gelernt als man zuvor hätte lernen sollte. Eine interessante Prüfungsmethode. Mehr davon bitte.

Sonntag, 21. September 2008

Besuch

Borås, Schweden, 8 Uhr, die Frisur könnt mir nicht egaler sein.

Mit meinem nach wie vor imposanten Zeitmanagement hatte ich den angepeilten Sonntag als erwählten Tag zum Bloggen versäumt und nun quäle ich mich in frühen Morgenstunden nach durchzechter Nacht Sinnerbringendes zu virtuellen Papier zu bringen. Meine selbst zugeführte Schlafentzugsbehandlung hat mehrere Ursachen. Zum einen scheint mein Zeiteisen reparaturbedürftig zu sein und würde ich zu einer mir angenehmen Zeit das Bett aufsuchen (we're talking 4 to 5 am here) würde ich wohlmöglich noch den Unterricht verschlafen und nichts läge mir ferner. Zum anderen als Ehrerbietung an pipifeine Entdeckungen, welche die Nacht berühmt gemacht haben und vice versa. Der 21.9. im Übrigen auch derwegen ein passender Tag für einen Blog-Eintrag da an diesen vor 38 Jahren ein gewiss(enhaft)er John Bertram Oakes die Op-ed Seite (neu)erfunden hat. In Zeitschriften die Seite wo Nichtjournalisten Platz für länglichere qualitative Leserbriefe bzw. Meinungen eingeräumt wurde. Doch ich erzähle hier sicher nichts Neues.

Da noch vorhin von Zeitmanagement die Rede war: meine Wenigkeit darf sich nun damit rühmen seine (eigentlich ihre, schließlich heißt es ja "die Wenigkeit") erste Bachelorarbeit komplettiert zu haben. Eine von zwei. Half Bakked. Freitag war die Deadline, Freitag hatte ich also bereits einige Schlafentzugsbehandlungen hinter mir. Das gute Stück ging dann unerhofft wegen unerwarteter Tugendhaftigkeit eines Schwurbruders der Pölle Connection sogar auf Postwegen raus. Man bat mich am Postamt sogar den Wert des Packetinhaltes zu beziffern. Ich hatte emsig an den guten Stück gearbeitet und es sogar an einer Seite zusammenheften lassen. Und so schätze ich den Wert der Arbeit nach längerer Überlegung und steigender Ungeduld im Gesichtsausdruck der Postangestellten auf 35 Kronen. Und auf diese horrende Summe wurde das Packet dann auch versichert.

Die Gründe meiner Zeitnot in dieser Angelegenheit mögen vielseitig sein, in gewisser Weise auch auf zwei der wenigen nicht-verzichtbaren Jugendlichen meines Heimatdorfes zurückzuführen sein. Schliesslich war mir von Montag bis Donnerstag letzter Woche Besuch durch meine ältere jüngere Schwester sowie Herb gewährt mit welchen die Sehenswürdigkeiten der Stadt auf ein Neues erkundschaftet wurden und jeden Tag eifrig, gut und warm gekocht. Unermessliche Weisheit wurde mir in diesen Tagen zuteil, der Protagonist dieses Bloges weiß nun etwa einen schwedischen Trommeltrockner zu bedienen (Wäschetrockner anderer Nationen und Bauarten bedürften wohl weiteren Einschulungen) und das Half Baked mehr als nur ein [disqualifizierende qualifizierende Adjektive hier einfügen] Film ist.

Und um auch noch, vermutlich schlafentzugsbedingten, sozialpsychologischen Experimente einen kleinen Platz der Rubrik neuer jedoch vollkommen nutzloser Erkenntisse einen Platz in meinem Denkapparat einzuräumen: wirklich großartige Lieder werden noch großartiger wenn man sie gleichzeitig mit großartigen Kompositionen des 20. Jahrhunderts unterlegt. Ich würde das Anwählen dieser zwei Verlinkungen durch ein weiteres "großartig" nur zu gerne forcieren doch die Redundanz verwendeter Adjektive bei gleichzeitigen bedenklich beschränkten Repetoir wäre durch die durchlebten Schlafentzugsbehandlungen nicht mehr rechtzufertigen.

Tata!
also.